Die Geschichte des Samariterwesens
Henry Dunant (1828–1910)
Gründer des Roten Kreuzes
Henry Dunant erhielt 1901 den ersten Friedensnobelpreis
Ernst Möckly (1856–1905)
Initianten und Mitgründer des Schweizerischen Samariterbundes
1859
Am Abend des 24. Juni kam Henry Dunant an einer Schlacht vorbei, zwischen den Truppen von Sardinien-Piemonts und Frankreichs unter der Führung Napoleons III gegen die Armee Österreichs.
Noch immer lagen etwa 38.000 Verwundete, Sterbende und Tote auf dem Schlachtfeld, ohne dass ihnen jemand Hilfe leistete. Zutiefst erschüttert davon, was er sah, organisierte er spontan mit Freiwilligen aus der örtlichen Zivilbevölkerung, hauptsächlich Frauen und Mädchen, die notdürftige Versorgung der verwundeten und kranken Soldaten.
Dunant und die seinem Aufruf folgenden Helfer machten bei ihrer Hilfeleistung keinen Unterschied zwischen den Soldaten hinsichtlich ihrer nationalen Zugehörigkeit. Wie er schnell feststellte, fehlte es an fast allem: an Helfern, an Fachwissen und an medizinischem Material und Verpflegung.
1862
Später schrieb Dunant sein Buch «Eine Erinnerung an Solferino». Darin berichtet er eindringlich von den Gräueln des Krieges. Das Buch druckt Dunant auf eigene Kosten und schickt es an einflussreiche Persönlichkeiten in ganz Europa.
Sein Appell für eine bessere Versorgung und den neutralen Schutz von Verwundeten in bewaffneten Konflikten trifft auf eine breite Zustimmung. Dunants Erlebnisbericht spiegelt die Erfahrungen und Gedanken vieler Militärs wider und rüttelt in zahlreichen europäischen Ländern Politiker, Militärs und Mediziner auf.
1863
Dunant stellte seine Ideen bei der «Gemeinnützigen Gesellschaft von Genf» vor. Diese setzt ein fünfköpfiges Komitee ein, das prüfen soll, wie die Ideen umgesetzt werden können. Der 17 Februar gilt als Gründungsdatum des «Internationalen Komitee des Roten Kreuzes» (IKRK).
Dunant reist durch ganz Europa und wirbt in der Öffentlichkeit und bei zahlreichen Regenten für seine Idee – mit Erfolg. Seine Vorstellungen stossen auf Zustimmung. Im Oktober treffen sich erstmals Delegierte aus 16 Ländern und fassen bei einer Konferenz die grundlegenden Beschlüsse. In den Diensten des Roten Kreuzes, das sich an allerlei Friedenswerken widmete, z. B. Hilfeleistungen bei Unglücksfällen, Krankenpflege, Verwundeten-Transporte usw. leisteten. In seinem Dienst stehen auch die Samaritervereine, die heute im Samariter Schweiz zusammengefasst wird.
1883
stellt der Sanitätsfeldweibel Ernst Möckly an der Delegiertenversammlung des Schweizerischen Roten Kreuzes (SRK) den Antrag, «Samariterkurse» ins Leben zu rufen. Die Kosten soll das SRK tragen. Das Ziel der Schulungen: Zivilpersonen in Erster Hilfe auszubilden. Möckly orientiert sich dabei am Kieler Professor Dr. Esmarch, der den ersten Samariterverein Europas gründete.
Am 25. Mai 1884
findet in Bern der erste Samariterkurs unter der Leitung des Arztes Robert Vogt und Ernst Möckly statt. Die Kurse finden grossen Anklang in der ganzen Schweiz. In der Folge bilden sich erste Samaritervereine.
1887
schliessen sich auf Initiative von Ernst Möckly alle Samaritervereine zum «Verband Schweizerischer Samaritervereine» zusammen.
1888
wird in Aarau der «Schweizerische Samariterbund» (SSB, heute «Samariter Schweiz») gegründet. Anwesend sind die 5 Vereine Zürich-Aussersihl, Neumünster, Basel, Winterthur und Bern. 10 Jahre später gehören bereits 104 Vereine zum SSB.
1895
ernennt Samariter Schweiz Henry Dunant zum Ehrenmitglied. Dunant: «Ich bin tief bewegt und dankbar für die Ernennung zum Ehrenmitglied.»
Ab 1931
darf der Samariter Schweiz langjährige verdiente Mitglieder mit der Henry-Dunant-Medaille auszeichnen.
Heute
2022 wird der Samariterbund umbenannt in «Samariter Schweiz». Heute engagieren sich rund 17.000 Mitglieder schweizweit in 800 Vereinen. Die Mission bleibt unverändert: «Gemeinsam retten wir Leben und leisten Erste Hilfe.»
2022 gibt es rund 800 Samaritervereine mit knapp 17’000 Mitgliedern. Zusätzlich sind rund 2’500 Jugendliche in 127 Jugendgruppen engagiert.
Genau wie das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) orientieren sich die Samariterinnen und Samariter an den Idealen von Henry Dunant und stellen die Hilfe für ihre Mitmenschen ins Zentrum. So besteht früh eine Verbindung zwischen den beiden Organisationen. Beide agieren unabhängig, sprechen sich aber bei der Aufgabenverteilung ab. Während sich das SRK auf Einsätze im Kriegsfall konzentriert, stellt Samariter Schweiz die Tätigkeit in Friedenszeiten in den Mittelpunkt.
Mehr über Samariter Schweiz unter: www.samariter.ch
Film zum 135-jährligen Jubiläum von Samariter Schweiz: https://www.samariter.ch/de/135-jahre-samariter-schweiz#Feiern-Sie-mit-uns!